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Deep-Dive · Zentrum für maritime Sicherheit

eenotsignale und Notfallkommunikation: Signalraketen, EPIRBs und VHF-Funk

Zuletzt aktualisiert: 2026-07-24

Definition

Was sind Seenotsignale?

Seenotsignale sind standardisierte optische, akustische oder elektronische Vorrichtungen, die andere darauf aufmerksam machen sollen, dass sich ein Fahrzeug oder eine Person in schwerer und unmittelbarer Gefahr befindet und sofortige Hilfe benötigt. Diese Signale unterliegen internationalen Vorschriften (SOLAS, COLREGS) und nationalen Normen (USCG, CE). Die Wahl der Signalausrüstung hängt vom Typ des Wasserfahrzeugs, der Entfernung zur Küste und davon ab, ob die Fahrt küstennah, offshore oder im Binnenbereich stattfindet. Die moderne Notfallkommunikation kombiniert traditionelle pyrotechnische Signale mit satellitengestützten elektronischen Baken und VHF-Funk.

Typenübersicht

Kategorien von Notsignalen

Pyrotechnische Signalraketen (SOLAS/ISO 20909)

Rote Handfackeln (500 cd, 60 Sekunden Brenndauer), rote Fallschirmsignale (30.000 cd, 40 Sekunden in 300 m Höhe) und orangefarbene Rauchsignale (50 Sekunden). Je nach Typ und Wetterlage 5-20 Seemeilen weit sichtbar. Auf vielen gewerblichen Fahrzeugen Pflicht. Haltbarkeit: 3-4 Jahre ab Herstellung.

Elektronische Baken (EPIRB/PLB)

406-MHz-Satellitenbaken senden einen eindeutigen digitalen Code an das COSPAS-SARSAT-Satellitennetz, der an örtliche Such- und Rettungsbehörden weitergeleitet wird. EPIRBs sind am Fahrzeug montiert und aktivieren sich selbst. PLBs sind persönliche Baken, die manuell aktiviert werden. Modelle mit GPS liefern eine Positionsgenauigkeit von unter 100 m. Batterielebensdauer: 5-10 Jahre.

VHF-Seefunk (ITU-R M.493)

Kanal 16 (156,8 MHz) ist die internationale Not-, Sicherheits- und Anruffrequenz. Digital Selective Calling (DSC) ermöglicht die Notrufübertragung per Knopfdruck inklusive Positionsdaten. Reichweite: 5-30 Seemeilen je nach Antennenhöhe. Unverzichtbar in küstennahen Gewässern und im Binnenbereich.

Optische / akustische Signale

Zu den internationalen Notsignalen zählen: fortlaufendes Ertönenlassen des Nebelhorns oder der Trillerpfeife, langsames Heben und Senken der Arme, eine quadratische Flagge mit Kugel darüber oder darunter (N/C), SOS als Licht- oder Tonsignal (3 kurz, 3 lang, 3 kurz) sowie Farbstoffmarkierungen (Fluorescein, aus der Luft 3-6 Stunden sichtbar).

Funktionsprinzip

Wie Notfallbaken funktionieren

406-MHz-EPIRBs und -PLBs arbeiten mit der COSPAS-SARSAT-Satellitenkonstellation, einem gemeinsamen internationalen Such- und Rettungssystem. Nach der Aktivierung sendet die Bake alle 50 Sekunden einen 0,5-Sekunden-Burst mit einem eindeutigen 15-stelligen Hexadezimalcode (UIN — Unique Identification Number), der das Fahrzeug oder den Eigentümer identifiziert. Der Code wird in einer nationalen Datenbank mit Notfallkontaktdaten registriert. LEOSAR-Satelliten (Low Earth Orbit) erfassen das Signal und berechnen die Position per Doppler-Verschiebung auf 5 km genau, während GEOSAR-Satelliten (geostationär) nahezu sofortige Meldung, aber eine geringere Positionsgenauigkeit liefern. Baken mit GPS kodieren die Positionsdaten direkt in die Übertragung und erreichen beim ersten Satellitenüberflug eine Genauigkeit von 100 m. Der komplette Zyklus von der Erfassung bis zur Alarmierung dauert bei 406-MHz-Baken in der Regel 5-30 Minuten.

Prüfung und Normen

Gesetzliche Anforderungen nach Bootstyp

Bootstyp Erforderliche Ausrüstung Vorschrift
Freizeit (Binnen)Trillerpfeife oder Horn, PFD mit Pfeife, Sichtsignal (Flagge oder Licht)USCG / örtliche Schifffahrtsbehörde
Küstennah (bis 20 NM)VHF-Funk (DSC-fähig), Handfackeln oder elektronische BakeUSCG 33 CFR Part 175 / CE SOLAS
Offshore (über 20 NM)EPIRB (406 MHz), VHF/DSC-Funk, SOLAS-Fackeln (4 Fallschirm + 6 Hand + 2 Rauch)SOLAS Kapitel IV / GMDSS Seegebiet A2/A3
Gewerblich / FischereiEPIRB, SART (Such- und Rettungstransponder), VHF/DSC, SOLAS-FackelnIMO / SOLAS / Nationale Fischereivorschriften
SUP / Kajak (Binnen)Pfeife an der PFD, wasserdichte Handyhülle oder VHF-Handfunk, PLB (empfohlen)USCG / örtliche Vorschriften
Notrufprotokoll

Notrufverfahren über VHF-Funk

Schritt 1: Kanal 16 einstellen. Die DSC-Notruftaste drücken (falls vorhanden). Das Funkgerät sendet automatisch Ihre MMSI-Nummer und GPS-Position.
Schritt 2: Deutlich "MAYDAY, MAYDAY, MAYDAY" sprechen. Den Namen des Fahrzeugs dreimal wiederholen. "MAYDAY [Name des Fahrzeugs]" dreimal ansagen.
Schritt 3: Position angeben (GPS-Koordinaten oder Peilung/Entfernung zu einem bekannten Landmerkmal), Art des Notfalls, benötigte Hilfeleistung, Anzahl der Personen an Bord und Beschreibung des Fahrzeugs. Zum Abschluss "OVER" sagen.
Schritt 4: Den Ruf auf Kanal 16 alle 5 Minuten wiederholen, bis er bestätigt wird. Bei ausbleibender Antwort auf einen anderen Kanal wechseln und es erneut versuchen. Auch ohne unmittelbare Antwort weiter senden — Signale können wiederholt werden.
Wavefella-Einsatz

Sicherheitsempfehlungen von Wavefella

Wavefella empfiehlt die folgende Notfallkommunikationsausstattung, abgestimmt auf das jeweilige Paddelrevier:

SUP & Freizeit-Kajakfahren

An der PFD befestigte Trillerpfeife, wasserdichte Handyhülle, persönliche Notfallbake (PLB) für abgelegene Gebiete, VHF-Handfunkgerät fürs Küstenpaddeln. Signalraketen im Binnenbereich optional.

RIB & Offshore-Bootsbetrieb

Fest eingebautes VHF/DSC-Funkgerät, 406-MHz-EPIRB (mit GPS), SOLAS-Fackelset (vor jeder Saison Haltbarkeit prüfen), SART für Offshore-Passagen. Das DSC-Funkgerät ist mit der MMSI-Nummer programmiert.